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Leben in Deutschland: Prof. Dr. Holthusen

Unter der Überschrift „Amerika ehrt einen deutschen Wissenschaftler“ berichteten die Hamburger Nachrichten am 16. September 1937, dass Prof. Dr. Hermann Holthusen (1886-1971) zum Präsidenten des Internationalen Radiologen-Kongresses gewählt worden sei. Dieser Zeitungsausschnitt befindet sich in der Personalakte des Hamburgers Holthusen, und er wird begleitet von Berichten über eine Reihe weiterer Ehrungen sowohl aus den USA wie aus verschiedenen europäischen Ländern über einen langen Zeitraum. Prof. Dr. Holt­husen war ein nicht nur in NS-Deutschland sehr geschätzter Radiologe, der noch im Kriegsjahr 1942 einer Einladung in das besetzte Belgien folgen konnte, um dort über „Die Strahlentherapie bei der Krebsbekämpfung im Rahmen eines großen Krankenhauses“ vorzutragen. Seinen Status als international akzeptiertes Mitglied der strahlenmedizinischen und -wissenschaftlichen Scientific Community dokumentiert auch die Wahl zum Ehrenmitglied der Amerikanischen Röntgengesellschaft. Diese Tatsache teilte Prof. Holthusen am 11. November 1939 dem Dekan seiner Medi­zinischen Fakultät in Hamburg mit, der ihm nach Rückversicherung mit dem Reichserziehungs­ministerium die Annahme dieser Ehrung gestattete.

Im Gegensatz zu Rudolf Grashey und Boris Rajewsky, die beide im Jahr 1937 Mitglieder der NSDAP geworden waren, ist Hermann Holthusen nie in die Partei eingetreten, wurde jedoch trotzdem als ‚loyal’ durch die NSDAP beurteilt. Wie aus einem in der Nachkriegszeit ausgefüllten Fragebogen hervorgeht, war Prof. Holthusen in zahlreichen, der NSDAP „angeschlossenen Verbände“ orga­nisiert: der „Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt“ (NSV), der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF), dem „Reichslehrerbund“ (RLB), dem „NS-Deutschen Reichskriegerbund“ und dem „Altherrenbund der Deutschen Studenten“.

Dieser Befund der zahlreichen Mitgliedschaften hinterlässt einen ebenso zwiespältigen Eindruck wie Holthusens Beitrag zu Hitlers „Geburtstagsgabe“. Die fach­­liche Kapazität Holthusens war unbestritten; dies wird auch nach 1945 dadurch unterstrichen, dass er von den westlichen Alliierten als „Senior Author“ der FIAT-Review of German Science zum Thema „Radiologie, Diagnostik und Therapie (= Natur­forschung und Medizin in Deutschland 1939-1946, Wiesbaden 1947) herangezogen wurde.

Neben zahlreichen wichtigen, sowohl forschungsleitenden wie praxisorientierenden Publikationen, veröffentlicht Prof. Holthusen ebenfalls im Jahr 1939 einen Beitrag zum Thema „Strahlen­forschung“ in der offiziellen Festschrift des NS-Wissenschaftsministeriums anlässlich des 50. Geburtstages von Adolf Hitler. Er ist nicht der einzige Wissenschaftler von Rang, dessen Name diese Festgabe ziert, und der kurze Artikel ist schlicht und sachlich.

Holthusen, Hermann

(Foto Deutsches Röntgenmuseum)

Holthusen, Hermann (Hg.): Radiologie, Diagnostik und Therapie (= Naturforschung und Medizin in Deutschland 1939-1946. Für Deutschland bestimmte Ausgabe der FIAT Review of German Science, Bd. 84), Wiesbaden 1947

Politische Beurteilung Prof. Holthusens durch die NSDAP vom 11.12.1939

(HHStA, 113-5_BV92bUA49)

REM v. 18.12.1939 genehmigt Holthusen die Annahme der Ehrenmitgliedschaft der Amerikanischen Röntgen-Gesellschaft (HHStA, 361-6_IV1307 (37)

Staatskommissar für die Entnazifizierung v. 10.2.1949. Prof. Holthusen ist politisch unbelastet. (HHStA, 361-6_IV1307 (44)

Holthusen v. 5.4.1937 an Dekan der Medizinischen Fakultät

(Teilnahme am Inter­nationalen Radiologenkongress in Chicago (HHStA, 361-6_IV1307 (55) / DRG und Kongress-Zentrale regeln Devisenfrage, Studienreise (HHStA, 361-6_IV1307 (56)

Ausschnitt aus Hamburger Nachrichten v. 16.9.1937: „Amerika ehrt einen deutschen Wissenschaftler“ (HHStA, 361-6_IV1307 (57)

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